Phantomschmerzen

Häufig treten bei Menschen, denen ein Arm, ein Bein oder andere Gliedmaßen amputiert wurden, so genannte Phantomschmerzen auf. Die Betroffenen berichten über Schmerzen in den amputierten Gliedmaßen, obwohl diese schon seit langem nicht mehr mit dem Körper verwachsen sind. Oft glauben diese Menschen auch, dass sich die amputierte Gliedmaße noch bewegt. Sie merken meist nicht, welche Empfindungen real sind und welche nicht.

Ursachen für Phantomschmerzen

Phantomschmerzen entstehen durch die Anstrengungen des Gehirns, mit dem Wegfall großer Nervenbereiche und deren ständigen Rückmeldungen fertig zu werden. Die so genannten somatosensorischen Regionen in der Großhirnrinde, dem Thalamus und dem Hirnstamm sind für die Verarbeitung der Sinneseindrücke aus dem zentralen Nervensystem zuständig und hochspezifisch organisiert. Wenn durch Amputation eines großen Körperteils oder eine schwerwiegende Rückenmarksverletzung ein massiver Ausfall solcher Informationen auftritt, beginnt das Gehirn mit einer Umstellung dieser Organisation.

An erwachsenen Affen, die eine Rückgratverletzung erlitten hatten oder denen aus therapeutischen Gründen ein Körperglied amputiert werden musste, konnte durch Neurowissenschaftler der Vanderbilt University das mit der Umorganisation des Gehirns einhergehende Neuronenwachstum nachgewiesen werden. Diese regenerierten Nerven sind fast immer knotenförmig verdickt. Durch eine dauerhafte Reizung dieser Verdickungen entstehen die Schmerzen.

Phantomschmerzen können aber auch durch lokale Entzündungen, Knochensplitter und Narben hervorgerufen werden. Die psychische Belastung der Betroffenen führt häufig zu einer Verstärkung der Schmerzen.

Therapie von Phantomschmerzen

In der Regel wird zur Behandlung der Phantomschmerzen eine Kombinationstherapie aus nervenblockenden Medikamenten, Elektrostimulation, Gegenirritationsverfahren und Verhaltenstherapie angewandt. Da es sich bei Phantomschmerzen aber primär um chronische Schmerzen handelt, sind dauerhafte Behandlungserfolge eher selten. Umso wichtiger ist die begleitende, individuelle psychologische Betreuung. Vor allem auch deshalb, weil sich die Schmerzen im Laufe der Zeit immer echter anfühlen und für viele Betroffene zu einer ernsthaften Behinderung auswachsen können.

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