“Tage des Elends haben mich ergriffen. Des Nachts bohrt es in meinem Gebein, und die Schmerzen, die an mir jagen, schlafen nicht… Ich wartete auf das Gute, und es kam das Böse; ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis.” Hiob
Man spricht von einem chronischen Schmerz, wenn dieser dauerhaft auftritt. In Deutschland leiden schätzungsweise 20 Millionen Menschen, also rund ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung, unter regelmäßig wiederkehrenden Schmerzen. Davon sind rund 6 bis 8 Millionen Menschen stark beeinträchtigt.

Rückenschmerzen gelten als eine der häufigsten Formen chronischer Schmerzen.
Erschreckende Zahlen gibt es auch zu den Behandlungsversuchen chronischer Schmerzen. Bevor chronisch Schmerzkranke in die Hände von Facheinrichtungen gelangen, haben sie durchschnittlich 10 lange Jahre mit Behandlungsversuchen von 8 verschiedenen Fachärzten über sich ergehen lassen. Ein Großteil der Betroffenen hat in dieser Zeit mindestens einmal im Krankenhaus gelegen. Viele haben sich sogar operieren lassen - häufig ohne Erfolg.
Für eine flächendeckende Versorgung allein der besonders stark beeinträchtigten chronisch Schmerzkranken wären in Deutschland schätzungsweise mindestens 2000 schmerztherapeutische Einrichtungen notwendig, in denen Ärzte und Psychologen zusammenarbeiten. Tatsächlich stehen in Deutschland jedoch nur rund 500 Schwerpunktpraxen, Schmerzambulanzen und spezielle Abteilungen in Kliniken zur Verfügung.
Die Zeit, die verstreicht, bevor sich ein Facharzt mit den chronischen Schmerzen der Betroffenen auseinandersetzt, wirkt sich negativ aus. Denn je länger ein Patient unter chronischen Schmerzen leidet, desto schwerer ist er zu behandeln. Häufig münden die jahrelangen Schmerzen in so genannten “problematischen” Schmerzzuständen. Diese gelten als eigenständige Schmerzkrankheit, bei der sich das Leiden verselbstständigt hat. In diesem Stadium gelingt es meist nur noch, den Schmerz zu vermindern. Ganz beseitigen lässt er sich dann nur noch selten. Die Suizidgefahr unter den Patienten mit “problematischen” Schmerzzuständen ist erheblich.
Häufige Formen chronischer Schmerzen
Zu den häufigsten chronischen Schmerzformen zählen Kopfschmerzen, insbesondere Migräne und Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen (Arthrosen), die Rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie sowie Tumorschmerzen bei Krebspatienten.
Ursachen chronischer Schmerzen
Wissenschaftler glauben, dass eine Dysfunktion des Nervensystems ein Hauptgrund für chronische Schmerzen sein kann. Neuronen, also Zellen im Nervensystem, die miteinander kommunizieren, werden überreizt und senden fortlaufend Signale aus, auch wenn die ursprüngliche Ursache für den Schmerzreiz längst nicht mehr vorhanden ist. Die Betroffenen erhalten also permanent Schmerzsignale.
Gleichzeitig, so wird vermutet, sterben die Zellen, die den Schmerzreiz normalerweise unterdrücken, ab. Zumindest aber sind sie weniger effektiv, da sie sich entweder zurück bilden oder mit der Flut an Signalen völlig überfordert sind.
Warum gerade ich?
Schmerz ist eigentlich eine äußerst nützliche, evolutionäre Funktion: Er dient als Warnsignal vor Schädigungen unseres Körpers. Von chronischen Schmerzen geplagt, fragen sich viele Betroffene jedoch, wo denn in diesem (dauerhaften) Warnsignal der Sinn liegt? Betrachtet man chronische Schmerzen als eine Krankheit und nicht mehr nur als ein Warnsignal des Körpers, dann wird klar, dass es keinen Sinn dahinter gibt, sondern lediglich bisher kaum verstandene Mechanismen in unserem Körper. Doch die moderne Medizin versteht diese Mechanismen zunehmend besser und kann so neue Strategien entwickeln, um die chronischen Schmerzen unter Kontrolle zu bringen.
